Zwei Jahrzehnte Tagesklinik für Kinder und Erwachsene in Eberswalde

GLG Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH

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„Am Anfang war die Skepsis sehr groß, ob eine fachgerechte, individuelle Behandlung in der Tagesklinik gelingen kann, wenn die Kinder und Jugendlichen abends wieder nach Hause zurückkehren“, berichtet Denise Mätzkow, Stationsleiterin der Tagesklinik. „Inzwischen ist die Akzeptanz mehr als gewachsen, sodass wir sogar Wartelisten haben.“

Verstärkte Wahrnehmung psychischer Leiden

Denise Mätzkow hat die Entwicklung der Tagesklinik, zunächst unter der Leitung von Chefarzt Dr. Rüdiger Stier und Oberärztin Ute Peters-Pasztor, von Beginn an miterlebt und auch erfahren, wie sich der Wandel in der Behandlung junger Patientinnen und Patienten vollzogen hat. Anders als in der Vergangenheit sei gerade die Rückkehr in das häusliche Umfeld nach der Therapie am Tag heute ein entscheidendes Kriterium für junge Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen, eine psychiatrische Behandlung zu beginnen und auch erfolgreich abschließen zu können. „Die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen und diese auch anzunehmen, ist durch das Angebot der Tagesklinik gesunken“, erklärt Denise Mätzkow. Chefarzt Prof. Dr. Hubertus Adam, der die Klinik seit nunmehr fast 14 Jahren leitet, geht sogar noch weiter. Er sagt: „Das tagesklinische Angebot hat zu einer höheren Akzeptanz und verstärkten Wahrnehmung psychischer Leiden von Kindern und Jugendlichen in der Öffentlichkeit geführt. Mit der Folge, dass sie heute früher, umfangreicher und besser behandelt werden können, ohne eine gesellschaftliche Stigmatisierung zu fürchten.“

Die Familie wird einbezogen

Zum Behandlungskonzept in der Tagesklinik gehört noch viel entscheidender als bei einem stationären Klinikaufenthalt die Einbeziehung von Eltern oder Bezugspersonen in die Therapie. Sie sind regelmäßig durch Gespräche eingebunden, nehmen Anteil und erhalten dabei wichtige Hilfen für den Alltag. In der Familientagesklinik „Koralle“ werden sogar ganze Familien mit Eltern und Geschwistern – oder sogar mit Oma – aufgenommen. Weil die Patientinnen und Patienten ihr gewohntes Umfeld nur stundenweise verlassen, bleiben soziale Bindungen leichter bestehen als während einer vollstationären Behandlung. In der Tagesklinik werden neue Beziehungen geknüpft, nicht nur zu den Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiatern sowie den Psychotherapeutinnen und -therapeuten, sondern auch zu den Bezugstherapeutinnen und -therapeuten, die von Beginn bis zum Ende einer Therapie an der Seite der Kinder und Jugendlichen verbleiben, ihre Ansprechpartner sind und helfen, zwischen den Kindern und Familien zu „dolmetschen“, wenn das Missverständnis sehr groß ist.

Behandlungen können von längerer Dauer sein

Wie lange eine Behandlung in der Tagesklinik nötig ist, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Nach einer vier- bis sechswöchigen Diagnostikphase kann sich eine therapeutische Behandlung bis zu drei und mehr Monaten hinziehen. Denn die Problemlagen der Kinder und Jugendlichen sind komplex: Emotionale und depressive Störungen gehören ebenso dazu wie psychosomatische Beschwerden, Krisen in der Persönlichkeitsentwicklung oder auch Trennungs- und Schulängste, die sich im Verhalten, in der Belastbarkeit und im Umgang zeigen. Durch die Spezialsprechstunde für Kinder von körperlich kranken Eltern der Klinik kommen auch zunehmend diese Kinder und Jugendlichen, die häufig sehr unter dieser starken Belastung leiden, in Behandlung.

Mobbing und soziale Medien

Sehr viel mehr als in den Anfangsjahren beobachtet das Team um Chefarzt Prof. Dr. Hubertus Adam, Psychologin Antje Belitz und Denise Mätzkow Mobbingerfahrungen bei ihren Patienten, die sich durch die wachsende Bedeutung sozialer Medien weiter potenzieren. Erste wichtige Erfahrung für die jungen Patientinnen und Pateinten daher: Das Handy bleibt draußen. „Unser Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit zu stärken, sie auch für schwierige Situationen im Umgang mit anderen fit zu machen. Das geht nur mit Ruhe und ohne Ablenkung von außen, auch wenn das besonders unseren Jugendlichen sehr schwer fällt“, berichtet Denise Mätzkow.

Vielseitige Therapie

Neben Einzelgesprächen und Gruppenrunden verfolgt das Klinikteam einen vielseitigen und abwechslungsreichen Beschäftigungsansatz: Kunst, Theater, Kochen, Entspannungstraining, zahlreiche Aktivitäten bei Partnern wie der Feuerwehr oder der Zooschule und viel Bewegung an der frischen Luft zählen ebenso dazu wie der Unterricht in der Klinikschule. Weil gerade die Schule für viele betroffene Kinder und Jugendliche ein angstbesetzter Ort ist, müssen die Patientinnen und Patienten erst schrittweise und besonders behutsam wieder zum Lernen angeregt werden. In der Klinikschule gelingt dies mit viel Aufmerksamkeit und Geduld. Ohnehin zeugen die Kommentare der Kinder und Jugendlichen, die ihre Einschätzung in Schriftform im Klinikflur hinterlassen haben, von der hohen Zufriedenheit mit der Behandlung in der Tagesklinik. „Es ist nicht immer leicht, aber ich bin froh, dass ich hier bin“ oder „Ohne Euch ginge es mir nicht schon viel besser“ sind nur einige der Meinungen.

Weitere Ziele

Was wünschen sich die Verantwortlichen zum Jubiläum? „Ein Antrag zur Erhöhung um neun Behandlungsplätze ist bereits gestellt – zu hoffen ist, dass dies in 2021 umgesetzt werden kann“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Hubertus Adam. Außerdem soll ein zukünftiger Schwerpunkt auf der schon begonnenen Arbeit mit Familien liegen, z.B. durch die Integration der neuen ambulanten Sprechstunde für Säuglinge, Kleinkinder und ihre Eltern sowie die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychosomatischen Beschwerden – das heißt, seelischen Problemen, die sich ihren Ausdruck in körperlicher Symptomatik suchen, ohne dass sich hierfür eine körperliche Ursache findet. Auch dazu besteht bereits eine Spezialsprechstunde in enger Kooperation mit dem GLG Werner Forßmann Klinikum.

Kontakt

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Sitz: Eberswalde
Rudolf-Breitscheid-Straße 36
16225 Eberswalde

 

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